Der urbane Lieferverkehr übernimmt mit der Güterversorgung der Bevölkerung eine zentrale Funktion der Stadt und ist für das Funktionieren der Wirtschaft ausschlaggebend. Allerdings stellt jener auch eine der größten verkehrlichen Herausforderungen der Stadt dar. So ist der Wirtschaftsverkehr für rund 40 Prozent der urbanen Schadstoff- und Lärmbelastung verantwortlich (vgl. VCÖ 2015). Vor allem mit der Zunahme des Online-Handels steigt die Verkehrsbelastung durch zusätzliche Lieferfahrten. Die negativen Folgen des innerstädtischen Lieferverkehrs in Bezug auf die Luftqualität, den Flächenverbrauch sowie die Lärmbelastung erfordern daher neue verkehrliche Lösungen und Konzepte. Während Handelsunternehmen oftmals bereits die Option einer Expresszustellungen anbieten, fehlen Angebote zu CO2-freien Zustellungen meist gänzlich. Neben der Reduzierung der Lieferfahrten beispielsweise durch dezentrale Abholstationen oder neutrale Paketkästen kann auch ein verstärkter Einsatz von E-Mobilität den städtischen Lieferverkehr auf Klimakurs bringen.

Good-Practice im urbanen Güterverkehr

In London verwendet das Unternehmen Gnewt-Cargo E-Nutzfahrzeuge sowie ein eigenes Mikrokonsolidierungszentrum zur Belieferung. Seit 2008 werden Sendungen mit E-Minivans und Lasten-Pedelecs emissionsfrei und zu wirtschaftlich konkurrenzfähigen Konditionen im Auftrag von verschiedenen Paketdiensten und Handelsunternehmen befördert. Ein Unternehmen organisiert zudem die Lieferfahrten von rd. 20 Geschäften wodurch jene um 80 Prozent reduziert werden konnten.

In Utrecht werden seit 2009 Lieferungen über zwei elektrische „Cargohopper“ von einem Umschlagpunkt aus in die Altstadt organisiert. Anreize werden durch die Befreiung von Lieferzeit-Beschränkungen und die mögliche Benutzung von Busspuren geschaffen.

Seit 2012 organisiert UPS in Hamburg Lieferfahrten über mobile Container, die als Umschlagpunkte für Transport-Fahrräder dienen (vgl. VCÖ 2015).

Im Jahr 2015 wurde vom Klima- und Energiefonds eine Best Practice Toolbox mit nationalen und internationalen Referenzprojekten für Güterverkehr und Logistik in Städten herausgegeben. Dabei werden verschiedene Lösungen für die Konsolidierung, letzte Meile, Kooperation und Sensibilität, Verkehrs- und Liefersteuerung sowie Fahrzeuge und Flotten aufgezeigt und deren Wirkungen beurteilt (siehe Klima- und Energiefonds 2015). Das VCÖ führt folgende internationale Good-Practice Beispiele in Bezug auf urbanen Lieferverkehr an:

Trotz zahlreicher Pionierprojekte sind städtische Konzepte für Smart Urban Logistics im Hinblick auf nachhaltigen urbanen Verkehr weiterzuentwickeln. Im urbanen Lieferverkehr werden insbesondere umweltfreundliche Lieferkonzepte für innerstädtische Standorte, die Förderung von emissionsfreien Fahrzeugen, die Bereitstellung kleinteiliger Umschlagflächen in den Zentren sowie die Konsolidierung von Transporten als richtungsweisende Maßnahmen erachtet.